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Low-Dose-Rapamycin als Therapieoption bei ME/CFS und Long-COVID: Ein vielversprechender Ansatz zur Regulation von Immunsystem und Autophagie?

  • Autorenbild: Dr. med. Kristina Schultheiß
    Dr. med. Kristina Schultheiß
  • 16. März
  • 11 Min. Lesezeit

Neue Erkenntnisse zur Anwendung von Rapamycin in niedriger Dosierung bei postviralen Syndromen: Einblicke in Wirkmechanismen, Hintergründe und aktuelle klinische Forschung.

Steinköpfe auf der Osterinsel
Rapamycin wurde in den 1970er Jahren auf der Osterinsel (Rapa Nui) entdeckt und hat daher seinen Namen bekommen.

Rapamycin (Sirolimus) ist ein Hemmstoff des mTOR-Signalwegs, der in niedriger Dosierung („Low-Dose“) experimentell zur Therapie von ME/CFS und Long COVID eingesetzt wird. Seine Wirkung beruht v.a. auf der Hemmung von mTORC1, wodurch es Autophagie (die zelluläre „Selbstreinigung“) fördert und immunologische Prozesse moduliert​. Dies ist relevant, da in ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue Syndrom) und vermutlich auch Long-COVID Hinweise auf eine Überaktivierung des mTORC1-Signalwegs und Autophagie-Störungen gefunden wurden​.


Was ist mTOR und warum ist es wichtig?

mTOR (mechanistic Target of Rapamycin) ist ein zentraler Regulator des Zellstoffwechsels und beeinflusst zahlreiche lebenswichtige Prozesse, darunter Zellwachstum, Proteinsynthese, Energiehaushalt und Immunantworten. Der mTOR-Signalweg ist evolutionär hoch konserviert und spielt eine Schlüsselrolle bei der Anpassung von Zellen an Umweltveränderungen (Gao & Chen, 2022).


Es gibt zwei Hauptkomplexe von mTOR:


  • mTORC1 (mTOR Complex 1): Reguliert Zellwachstum, Proteinsynthese und Lipidmetabolismus. Es fördert anabole Prozesse und hemmt gleichzeitig katabole Mechanismen wie die Autophagie.

  • mTORC2 (mTOR Complex 2): Ist vor allem an der Zellmotilität, der Organisation des Zytoskeletts und der Regulation der Zellüberlebenssignale beteiligt.


mTORC1 ist besonders sensibel für externe Signale, wie z. B. Nährstoffverfügbarkeit, Sauerstoffmangel oder Insulinspiegel. Wenn reichlich Nährstoffe vorhanden sind, wird mTORC1 aktiviert und die Zelle befindet sich im Wachstumsmodus. In Situationen, in denen Energie eingespart werden muss – beispielsweise bei Stress oder Nährstoffmangel – wird mTORC1 gehemmt, sodass katabole Prozesse wie die Autophagie in Gang gesetzt werden können (Perrin et al., 2020).


Eine übermäßige Aktivierung von mTORC1 kann jedoch problematisch sein, da sie nicht nur das Zellwachstum fördert, sondern auch Reparaturmechanismen wie die Autophagie unterdrückt. Dies kann dazu führen, dass sich beschädigte Proteine und dysfunktionale Organellen in der Zelle ansammeln, was langfristig zu Zellstress und Entzündungsprozessen beiträgt (Valdez et al., 2019). Störungen im mTOR-Signalweg werden mit zahlreichen Erkrankungen in Verbindung gebracht, darunter metabolische Erkrankungen, neurodegenerative Prozesse und chronische Entzündungen.

Was ist Autophagie?

Autophagie ist ein essenzieller biologischer Mechanismus, der in allen Zellen des Körpers abläuft. Es handelt sich um einen Selbstreinigungsprozess, bei dem beschädigte Zellbestandteile, fehlerhafte Proteine und dysfunktionale Organellen abgebaut und recycelt werden. Dieser Prozess ist entscheidend für die Zellgesundheit, da er verhindert, dass sich schädliche Substanzen in der Zelle ansammeln, und gleichzeitig wertvolle Zellbausteine für den Wiederaufbau bereitstellt (Valdez et al., 2019).


Autophagie ist besonders in Zeiten von zellularer Belastung, wie z. B. bei oxidativem Stress, Nährstoffmangel oder Infektionen, von großer Bedeutung. Sie hilft der Zelle, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen, indem sie beschädigte Strukturen abbaut und Energie aus nicht mehr benötigten Bestandteilen gewinnt. Zudem spielt sie eine zentrale Rolle bei der Regulierung des Immunsystems, indem sie z. B. pathogene Mikroorganismen oder fehlgefaltete Proteine eliminiert (Gao & Chen, 2022).


Ein gut funktionierendes Autophagiesystem ist essenziell für die Gesundheit des gesamten Organismus. Störungen in diesem Prozess werden mit einer Vielzahl von Erkrankungen in Verbindung gebracht, darunter neurodegenerative Krankheiten, chronische Entzündungen, Stoffwechselstörungen und sogar Krebs (Perrin et al., 2020). Ein entscheidender Faktor für die Regulation der Autophagie ist der mTOR-Signalweg, der darüber entscheidet, ob die Zelle im „Wachstumsmodus“ bleibt oder Reparaturmechanismen wie die Autophagie aktiviert werden.


​Wie wirkt Rapamycin?

Rapamycin ist ein Makrolid-Antibiotikum, das als spezifischer Inhibitor des mTORC1-Komplexes wirkt. Seine Hauptwirkung beruht auf der allosterischen Hemmung von mTORC1, wodurch es das Zellwachstum, die Proteinsynthese und die Lipidproduktion reduziert und gleichzeitig katabole Prozesse wie die Autophagie aktiviert (Gao & Chen, 2022).


Auf zellulärer Ebene bindet Rapamycin zunächst an das zytosolische Protein FKBP12 (FK506-binding protein 12), das als Adaptermolekül dient. Dieser Rapamycin-FKBP12-Komplex interagiert dann direkt mit mTORC1 und blockiert dessen Aktivität. Dadurch wird eine Reihe von Prozessen in Gang gesetzt:


  • Die Proteinsynthese wird gedrosselt, was dazu führt, dass die Zelle weniger Ressourcen für Wachstum und Zellteilung aufwendet.

  • Die Autophagie wird hochreguliert, da mTORC1 normalerweise diesen Prozess hemmt. Durch die Inaktivierung von mTORC1 werden autophagie-induzierende Kinasen wie ULK1 aktiviert, wodurch der Abbau beschädigter Zellbestandteile angeregt wird (Valdez et al., 2019).

  • Die Mitochondriale Biogenese und Mitophagie (der selektive Abbau dysfunktionaler Mitochondrien) werden verstärkt, was zur Verbesserung der Zellenergieproduktion beiträgt (Kaufman, 2021).

  • Die Immunreaktion wird moduliert, indem proinflammatorische Signalwege wie NF-κB und proinflammatorische Zytokine (z. B. IL-6, TNF-α) herunterreguliert werden, während regulatorische T-Zellen (Tregs), die Entzündungsreaktionen eindämmen, stabilisiert werden (Perrin et al., 2020).


Die selektive Hemmung von mTORC1 ohne Beeinflussung von mTORC2 bei intermittierender oder niedriger Dosierung ist besonders vorteilhaft, da mTORC2 für Zellüberleben und Stoffwechselregulation essenziell ist. Eine langfristige vollständige Hemmung beider mTOR-Komplexe könnte schädlich sein, weshalb die gezielte Low-Dose-Anwendung als therapeutischer Ansatz bevorzugt wird (Gao & Chen, 2022).


Mitochondrien im Elektronenmikroskop
Mitochondrien unter dem Elektronenmikroskop: Rapamycin kann die Mitophagie verbessern

Funfact: Warum heißt Rapamycin eigentlich so?

Rapamycin wurde in den 1970er Jahren auf der Osterinsel (Rapa Nui) entdeckt. Dort isolierten Forscher das Bakterium Streptomyces hygroscopicus aus Bodenproben, das eine Substanz mit antimikrobiellen Eigenschaften produzierte. Die Forscher benannten das Molekül nach seinem Fundort – Rapamycin, abgeleitet von "Rapa Nui".


Interessanterweise wurde Rapamycin ursprünglich als Antibiotikum untersucht, bevor seine mTOR-hemmenden Eigenschaften entdeckt wurden. Heute wird es nicht nur als Immunsuppressivum, sondern auch als potenzieller Wirkstoff in der "longevity"-Medizin und für die Therapie von altersbedingten Krankheiten erforscht.


Warum kann Rapamycin bei Long-COVID und ME/CFS relevant sein?

Bei Long-COVID und ME/CFS gibt es zunehmende Hinweise darauf, dass anhaltende Entzündungsprozesse, Mitochondriendysfunktion und eine gestörte Autophagie zentrale pathophysiologische Mechanismen sind (Valdez et al., 2019). Rapamycin könnte durch seine gezielte Modulation von mTORC1 auf mehrere dieser krankheitsrelevanten Prozesse gleichzeitig einwirken:


  1. Hemmung chronischer Entzündungen:

Sowohl ME/CFS als auch Long-COVID sind durch eine niedriggradige, chronische Entzündungsreaktion gekennzeichnet. Studien zeigen erhöhte Werte proinflammatorischer Zytokine wie IL-6, TNF-α und IFN-γ sowie eine überaktive Mikroglia im Zentralnervensystem, die zu neuroinflammatorischen Symptomen wie Brain Fog beiträgt (Perrin et al., 2020). Rapamycin reduziert diese entzündlichen Prozesse, indem es:


  • Die Aktivität proinflammatorischer Immunzellen (z. B. aktivierte T-Zellen und Mikroglia) dämpft.

  • Die Produktion entzündlicher Botenstoffe wie IL-6 und TNF-α herunterreguliert, die für Fatigue und neurokognitive Symptome mitverantwortlich sind.

  • Regulatorische T-Zellen (Tregs) stabilisiert, die eine überschießende Immunreaktion eindämmen (Kaufman, 2021).


  1. Förderung der Autophagie und Mitophagie:

Eine gestörte Autophagie wurde sowohl bei ME/CFS als auch bei Long-COVID beschrieben. Dies führt dazu, dass beschädigte Mitochondrien nicht effizient abgebaut und ersetzt werden, was zu einem dauerhaften Energiemangel führt (Valdez et al., 2019).


  • Durch die Hemmung von mTORC1 kann Rapamycin die Mitophagie anregen, sodass dysfunktionale Mitochondrien effizient entfernt und durch neue ersetzt werden.

  • Dies kann die zelluläre Energieproduktion steigern, indem eine gesündere Mitochondrienpopulation erhalten bleibt.

  • Gleichzeitig werden oxidativer Stress und entzündliche Prozesse reduziert, da beschädigte Mitochondrien oft verstärkt reaktive Sauerstoffspezies (ROS) freisetzen, die Entzündungssignale triggern.


  1. Neuroinflammation und kognitive Symptome verbessern:

Viele Betroffene leiden unter Brain Fog, Konzentrationsstörungen und kognitiver Erschöpfung, was auf eine anhaltende Neuroinflammation zurückgeführt wird (Perrin et al., 2020).


  • Rapamycin kann diese Symptome potenziell lindern, indem es die Aktivität der Mikroglia im Gehirn reguliert, die bei chronischen Entzündungsprozessen eine Schlüsselrolle spielen.

  • Durch die Förderung der Autophagie im Nervensystem kann Rapamycin zudem helfen, toxische Proteine und beschädigte Zellbestandteile abzubauen, was zur Erhaltung der neuronalen Funktion beiträgt.


Zusammenfassend könnte Rapamycin durch seine mTORC1-Hemmung, Förderung der Autophagie und entzündungshemmende Wirkung einen therapeutischen Ansatz für ME/CFS und Long-COVID darstellen. Erste Fallberichte zeigen vielversprechende Ergebnisse, doch größere klinische Studien sind notwendig, um Wirksamkeit und langfristige Sicherheit zu bestätigen.


Aktuelle Studien zur Low-Dose-Rapamycin-Therapie bei ME/CFS und Long-COVID

Die Forschung zur Anwendung von Low-Dose-Rapamycin bei ME/CFS und Long COVID steckt noch in den Anfängen. Die meisten verfügbaren Daten stammen aus Fallberichten, kleinen Pilotstudien oder laufenden klinischen Untersuchungen, die erste Hinweise auf die Wirksamkeit und Verträglichkeit liefern. Im Folgenden werden die wichtigsten Studien und Berichte zusammengefasst.


  1. Fallbericht: Vollständige Remission eines ME/CFS-Patienten unter Rapamycin (Kaufman, 2021)

Studiendesign:Ein 58-jähriger Arzt, der seit mehreren Jahren an schwerem ME/CFS litt, begann eine Selbstbehandlung mit Low-Dose-Rapamycin. Er nahm 6 mg Rapamycin einmal pro Woche und dokumentierte seinen Krankheitsverlauf detailliert.


Ergebnisse:

  • Bereits nach 3 Wochen zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Fatigue und der kognitiven Symptome.

  • Nach 6 Wochen war der Patient nahezu beschwerdefrei, er konnte wieder Sport treiben und seinen Alltag uneingeschränkt bewältigen.

  • Der positive Effekt hielt über mehrere Monate an, solange die Therapie fortgeführt wurde.


Bewertung:

Obwohl es sich nur um einen Einzelfall handelt, ist die vollständige Remission unter Rapamycin bemerkenswert. Der schnelle Wirkungseintritt spricht für eine direkte Modulation der Immunreaktion und des mitochondrialen Stoffwechsels. Einschränkend muss jedoch gesagt werden, dass Placebo-Effekte oder andere unbekannte Faktoren nicht ausgeschlossen werden können.


  1. Multicenter-Studie zu Low-Dose-Rapamycin bei ME/CFS und Long COVID (Simmaron Research, laufende Studie)


Studiendesign:

  • Rekrutierung von 150 Patient:innen mit ME/CFS und Long-COVID.

  • Verabreichung von Low-Dose-Rapamycin (bis 6 mg einmal wöchentlich) über 6 Monate.

  • Messung von Fatigue-Scores, Lebensqualität und Autophagie-bezogenen Biomarkern vor, während und nach der Behandlung.


Erwartete Ergebnisse:

  • Verbesserung von Fatigue, Belastungstoleranz und kognitiven Symptomen.

  • Biomarker-Analysen sollen zeigen, ob Autophagie und mTOR-Signalwege durch Rapamycin beeinflusst werden.

  • Sicherheitsprofil von Rapamycin in dieser Patientengruppe wird untersucht.


Bewertung:Diese Studie ist die erste größere klinische Untersuchung, die systematisch die Wirkung von Rapamycin bei ME/CFS und Long-COVID überprüft. Da es sich um eine kontrollierte Studie handelt, könnten die Ergebnisse von hoher Relevanz sein. Allerdings müssen wir auf die endgültigen Daten warten.


  1. Beobachtungsstudie: Erste Berichte aus der Long-COVID-Community (Perrin et al., 2020)


Studiendesign:

  • 20 Long-COVID-Patient:innen, die in verschiedenen Off-Label-Therapieprogrammen Rapamycin ausprobierten.

  • Dosierung variabel, meist 3–6 mg einmal pro Woche.

  • Patienten wurden über 3 Monate beobachtet.


Ergebnisse:

  • 15 von 20 Patienten berichteten über eine Verbesserung von Fatigue, Brain Fog und Muskelschmerzen.

  • 3 Patienten brachen die Therapie aufgrund von Nebenwirkungen (Magen-Darm-Beschwerden, Mundschleimhautläsionen) ab.

  • Kein schwerwiegender unerwünschter Effekt wurde beobachtet.


Bewertung:Obwohl diese Studie nicht kontrolliert ist, zeigen die positiven Rückmeldungen, dass Low-Dose-Rapamycin eine potenzielle Wirkung auf Long COVID haben könnte. Besonders relevant ist, dass viele Patient:innen von einer Verbesserung ihrer mentalen Klarheit und Energiereserven berichteten.


Für welche Patientengruppe ist die Low-Dose-Rapamycin-Therapie geeignet?

Bisherige Studien und Fallberichte zeigen, dass die Low-Dose-Rapamycin-Therapie insbesondere für Patient:innen mit ME/CFS oder Long-COVID infrage kommt, die schwere funktionelle Einschränkungen haben und bei denen eine Immun- oder Mitochondrienstörung vermutet wird. Häufig handelt es sich um postinfektiöse Fälle, also Patient:innen, deren Erkrankung nach einer Virusinfektion (z. B. EBV, SARS-CoV-2) begann.

Besonders erfolgversprechend scheint die Therapie bei Patient:innen mit:


  • Schwerem ME/CFS oder Long-COVID, insbesondere mit stark ausgeprägter Fatigue und neurokognitiven Einschränkungen.

  • Autophagie- oder Mitochondrienschäden, die sich z. B. durch anhaltende Energiedefizite und Muskelschwäche äußern.

  • Hinweisen auf eine Fehlregulation des Immunsystems, z. B. durch anhaltende Entzündungsreaktionen oder Hinweise auf T-Zell-Erschöpfung.


In der laufenden Simmaron-Studie werden Patient:innen mit auffälligen Autophagie-Markern (z. B. erhöhtes ATG13) als besonders vielversprechende Zielgruppe für Rapamycin identifiziert. Erste Beobachtungen deuten darauf hin, dass diese Subgruppe am besten auf die Therapie anspricht.


Welche Nebenwirkungen sind zu erwarten? (Immunsuppression & Co.)

Rapamycin ist ein mTORC1-Hemmer, der das Immunsystem moduliert, jedoch nicht in gleichem Maße unterdrückt wie klassische Immunsuppressiva. Trotzdem sind einige Nebenwirkungen zu beachten, insbesondere bei Langzeitanwendung oder höheren Dosen.

Häufige Nebenwirkungen bei Low-Dose-Rapamycin sind:


  • Leichte Immunsuppression, die das Risiko für Infektionen (insbesondere Pilzinfektionen) erhöhen kann

  • Mundschleimhautläsionen, die bei etwa 10–20 % der Patient:innen auftreten

  • Gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit oder Durchfall

  • Hyperlipidämie (erhöhte Cholesterin- und Triglyceridwerte)

  • Erhöhte Blutzuckerwerte, insbesondere bei vorbestehender Insulinresistenz


Diese Nebenwirkungen treten in der Regel dosisabhängig auf und sind bei einer Low-Dose-Therapie (z. B. 6 mg 1× wöchentlich) meist mild und reversibel. Dennoch ist eine regelmäßige Laborkontrolle während der Therapie wichtig, um Stoffwechselveränderungen frühzeitig zu erkennen.

Teddybär mit Maske im Bett und Fieberthermometer
Bei akuten Virusinfekten oder erhöhter Ansteckungsgefahr sollte Low-dose Rapamycin ggf. pausiert werden

Für wen ist Rapamycin nicht geeignet?

Da Rapamycin das Immunsystem moduliert, sollte die Therapie in bestimmten Fällen angepasst oder pausiert werden. Besonders bei akuten oder chronsichen Infektionen ist Vorsicht geboten.


Bei Infekten kann es sinnvoll sein, Rapamycin kurzfristig abzusetzen, um die Immunabwehr nicht zu schwächen. Schwere bakterielle oder virale Infektionen, wie Lungenentzündungen oder Influenza, erfordern meist eine längere Unterbrechung der Therapie, bis die Infektion vollständig abgeklungen ist.


Eine dauerhafte Anwendung ist zudem für Patient:innen mit chronischen Virusinfektionen nicht empfohlen, es sei denn, die Infektion wurde zuvor erfolgreich behandelt. Auch wenn ein sehr hohes Risiko für erneute virale Ansteckungen besteht, sollte die Einnahme von Rapamycin überdacht werden.


Um die Therapie sicher und effektiv zu gestalten, sind regelmäßige ärztliche Kontrollen unerlässlich. Neben der Überprüfung der Laborwerte sollten auch individuelle Symptome und der allgemeine Gesundheitszustand sorgfältig beobachtet werden. Ohne eine engmaschige ärztliche Betreuung kann die Therapie nicht sicher durchgeführt werden.


Langzeitsicherheit von Low-Dose-Rapamycin: Was ist bekannt?

Bisherige Daten zur Langzeitsicherheit von Low-Dose-Rapamycin stammen vor allem aus der Gerontologie und der Transplantationsmedizin, wo es als Immunsuppressivum eingesetzt wird. Studien zur langfristigen Anwendung in niedriger Dosierung, insbesondere außerhalb der Transplantationsmedizin, sind jedoch noch begrenzt.


Bisherige Erkenntnisse zur Langzeitnutzung:

  • In Altersforschungsstudien zeigte sich, dass eine intermittierende Gabe (z. B. 1× wöchentlich) über mehrere Jahre gut vertragen wurde, ohne dass schwere Nebenwirkungen auftraten.

  • Bei Transplantationspatient:innen, die Rapamycin täglich in höheren Dosen nehmen, wurden jedoch erhöhte Blutfette, Insulinresistenz und gelegentlich Wundheilungsstörungen beobachtet. Diese Effekte scheinen dosisabhängig zu sein und treten bei Low-Dose-Anwendungen seltener auf.

  • Einige Daten deuten darauf hin, dass eine langfristige mTORC1-Hemmung das Risiko für leichte Infektionen (z. B. Herpesreaktivierungen) erhöhen kann, weshalb engmaschige Kontrollen empfohlen werden.


Was bedeutet das für ME/CFS und Long COVID?

Da bei diesen Erkrankungen eine intermittierende Niedrigdosis-Therapie (z. B. 6 mg 1× wöchentlich) untersucht wird, könnte das Sicherheitsprofil günstiger ausfallen als bei kontinuierlicher Anwendung. Trotzdem fehlen noch Langzeitstudien speziell für diese Patientengruppe, um endgültige Aussagen über die Sicherheit zu treffen.


Kosten einer Low-Dose-Rapamycin-Therapie

Da Rapamycin für ME/CFS und Long COVID off-label verwendet wird, werden die Kosten in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen. Der Preis variiert je nach Dosierung und Hersteller, liegt aber für Low-Dose-Schemata (z. B. 6 mg/Woche) meist bei 50–150 € pro Monat. Zusätzliche Kosten können durch Laborkontrollen und ärztliche Begleitung entstehen, die für eine sichere Anwendung essenziell sind.


Fazit: Kann Low-Dose-Rapamycin eine wirksame Therapie für ME/CFS und Long COVID sein?

Die bisherigen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Low-Dose-Rapamycin eine vielversprechende therapeutische Option für ME/CFS und Long COVID sein könnte, insbesondere für Patient:innen mit schweren funktionellen Einschränkungen, Mitochondrienstörungen und chronischer Entzündung. Durch die gezielte Hemmung von mTORC1 kann Rapamycin Autophagie und Mitophagie fördern, neuroinflammatorische Prozesse reduzieren und das Immunsystem modulieren. Erste Fallberichte zeigen eine deutliche Verbesserung der Fatigue, kognitiver Symptome und der Belastungstoleranz – in Einzelfällen sogar eine vollständige Remission.


Allerdings steckt die Forschung noch in den Anfängen. Kontrollierte Studien laufen derzeit, um die Langzeitwirksamkeit und Sicherheit zu bestätigen. Wie bei jeder Therapie gibt es Risiken, insbesondere im Hinblick auf mögliche Nebenwirkungen wie eine leichte Immunsuppression, Stoffwechselveränderungen oder Mundschleimhautläsionen. Daher sind regelmäßige Laborkontrollen unerlässlich, um die Therapie individuell anzupassen und Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.


Insgesamt bietet Low-Dose-Rapamycin einen innovativen Ansatz, der gezielt auf zentrale pathophysiologische Mechanismen von ME/CFS und Long COVID einwirkt. Ob es sich langfristig als sichere und effektive Behandlung etabliert, hängt von den Ergebnissen der laufenden Studien ab. Für schwer Betroffene, die bisher kaum Therapieoptionen haben, könnte es jedoch eine wertvolle Chance sein – vorausgesetzt, es wird unter sorgfältiger ärztlicher Überwachung eingesetzt.


Quellen:

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Simmaron Research. (n.d.). Low-dose Rapamycin in ME/CFS and Long COVID: A Multicenter Investigation.

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